Was sich auf dem Wasser über Führung zeigt
Es sollte ein ruhiger Start in den Tag werden. Ein Floß, ein See, der erste Sonnenstrahl über dem Wasser. Ich war rechtzeitig am Steg – und trotzdem zu spät. Kein Platz mehr frei.
Also die ungeplante Variante: ein spontan geliehenes Kanu, geteilt mit einer Frau, die ich erst seit dem Vortag kannte. Gemeinsam hatten wir das Ziel, den Sonnenaufgang auf dem Wasser zu erleben.
Als es ans Einsteigen ging, entstand diese kurze Pause, die man aus Meetings kennt: Wer übernimmt jetzt? Ich hielt mich zurück. Sie hatte keine Wahl, musste sich hinten hinsetzen und lenken – ohne dass sie darum gebeten hatte.
Auf dem See die ersten Versuche zu Steuern und ein paar Paddelschläge später drehten wir uns im Kreis.
Der Punkt, an dem Erklären nicht mehr hilft
Je mehr sie versuchte, das Boot wieder gerade zusteuern, desto unruhiger wurde ihr Paddelschlag. Aus Unsicherheit wurde Anspannung, aus Anspannung Hektik. Ich wurde ruhiger im Ton, ganz sachlich und erklärte.
Ich kam nicht durch.
Unter echtem Druck ist kein Raum mehr für Erklärungen. Das Nervensystem schaltet auf Überleben, nicht auf Zuhören.
Eine Erfahrung, die sich eins zu eins auf den Arbeitsalltag übertragen lässt: Je detaillierter du einem überforderten Mitarbeitenden etwas sachlich erklärst, desto weniger kommt bei ihm an. Die Botschaft prallt ab – weil er gerade nicht anders kann!
Der AHA Moment
Was schließlich half, war keine bessere Erklärung. Es war eine Kombination: ein kurzer, bestimmender Ton, ein Kommando, an dem es nichts zu deuten gab.
Und eine eindeutige Körpersprache: Blickkontakt suchen und erstmal gemeinsam Durchatmen.
Das Aussprechen meiner Wahrnehmung beruhigte ihr inneres „Ankämpfen“ gegen die Situation. In diesem Moment änderte sich etwas. Das Boot fuhr langsam in geradem Kurs auf die Mitte des Sees, pünktlich zu den ersten Sonnenstrahlen über dem Wasser.
Wie kaltes Wasser im Gesicht
Hätte ich etwas anders machen können? Mich erwischte die Erkenntnis ziemlich kalt: Was hat mich abgehalten, nicht schon gleich am Steg das Steuer zu übernehmen und in Führung zu gehen?
Zurückhaltung, nicht dominant sein wollen und keine Fehler machen!
Doch genau da liegt die eigentliche Führungsarbeit – sichtbar zu sein, klare Ansagen zu machen, Orientierung zu geben und sich zu erlauben auch Fehler zu machen! So entsteht ein gemeinsamer Lernprozess, der das gesamte Team voranbringt.
Was ist hängengeblieben?
Drei Fragen habe ich mir an diesem Morgen selbst gestellt – und sie tragen durch so manchen Führungsalltag.
Darf ich in Führung Fehler machen? Ja – mehr noch, ich muss. Wer nie danebenliegt, bringt seinem Team nur eines bei: Fehler versteckt man besser. Diese Ehrlichkeit bedeutet nicht, schwach zu wirken. Es bedeutet, den Mut zu haben, sichtbar zu machen: Ich habe zu lange gezögert, jetzt korrigiere ich. Genau das ist im Kanu passiert. Veränderung entstand nicht, weil alles glattlief. Sie entstand durch die Korrektur mitten in der Situation.
Traue ich mich sichtbar in Führung zu gehen? Zurückhaltung ist gut gemeint und hilft trotzdem nicht! Vorankommen entsteht durch Klarheit im richtigen Moment. Gleichzeitig erlaube ich mir dadurch auch die Erfahrung: Ich kann mehr als ich mir in Gedanken zutraue!
Was braucht ein Mensch, um in einer herausfordernden Situation Vertrauen zu finden? Zwei Dinge zugleich: jemanden, der die Orientierung gibt, wenn der eigene Kopf voll ist. Und Wiederholung. Ein einzelner gelungener Moment reicht dafür nicht – Vertrauen wächst mit jedem weiteren Ausprobieren. Claudia konnte meiner ersten klaren Ansage noch nicht folgen. Sie bräuchte eine Wiederholung.
Und bei dir?
Gibt es in deinem Team gerade jemanden, der sich im Kreis dreht – bei dem jede zusätzliche Erklärung die Sache eher schlimmer macht? Oder deine Ansagen ins Leere laufen?
Beobachte dich selbst beim nächsten Mal: Wirst du in dem Moment leiser, vorsichtiger, erklärender? Oder klarer?
Und was würde passieren, wenn du dir erlaubst, früher einzugreifen und damit sichtbarer zu werden?
Eine Einladung
Diese Art von Führungsmoment lässt sich nicht auswendig lernen. Aber du kannst lernen, sie früher zu erkennen und damit schneller zu reagieren.
Dein Körper sendet in solchen Situationen sehr klare Signale – noch bevor der Kopf sie einordnen kann. Er zeigt dir, wann zum Beispiel deine Zurückhaltung nicht mehr passt. Die Frage ist nur: Hörst du hin?
Genau darum geht es im Schnuppertag „Was hörst du, wenn der Körper spricht?“. Ein Vormittag, um wieder zuzuhören – der erste Schritt zu einer Führung, die zu dir passt. Ohne dich zu verbiegen.
Und wenn du individuelle Fragen dazu hast, melde dich für deinen kostenfreien Impuls.
Bereit für Veränderung?
Wenn dein Wohlfühlen schwindet, schau hin.
Wenn du Begleitung suchst – ruf an. Wir schauen gemeinsam, ob wir zusammenpassen.
